Wort zum Sonntag

„Alles klar?“

Pastor Ludger Vornholz

16. Februar 2020: „Alles klar?“, sagen manche Jugendliche zueinander, wenn sie sich begegnen. Auch wenn dies eine Höflichkeitsfloskel ist, so drückt sich doch heimlich ein Wunsch in dieser Frage aus: Hoffentlich gibt es nichts, was dich in deinem Leben negativ verunsichert und deinen Alltag betrübt. Klarheit ist anscheinend etwas, was die meisten Menschen sich für ihr Leben wünschen.

Komplizierte Lebensverhältnisse und Sachverhalte verunsichern. Darum sind einfache, klare Antworten auch beliebter, als differenzierte und ausführliche Darstellungen. Aber genau das ist die Falle, in die man schnell geraten kann: Weil wir die Klarheit lieben, kann mancher versucht sein, Meinungen zu folgen, die einfache Lösungen anbieten, aber der Sache nicht gerecht werden oder gar verheerende Folgen nach sich ziehen.

Der Heilige Thomas von Aquin (1224-1274) hat in seinen Werken stets versucht, Sachverhalte von mehreren Seiten zu betrachten. Mich hat diese Art zu denken beeindruckt: Wenn Aussagen getroffen werden müssen, immer die Gegenargumente oder andere Aspekte in seine Überlegungen miteinzubeziehen.

Ein Beispiel für diese Art zu denken ist: „Für Wunder muss man beten, für Veränderungen muss man arbeiten.“ (Thomas v. Aquin) Thomas drückt nach meiner Meinung damit aus, dass Beten allein nicht die Welt verändert, sondern auch die eigene Anstrengung notwendig ist. Gleichzeitig ist er sich bewusst, dass manche Dinge nur durch ein Wunder geändert werden können, um das man Gott bitten sollte. „Alles klar?“ –  Eine Frage mit einem heimlichen Wunsch, dass es doch so sein möge. Eine Frage, die uns zum sorgfältigen  Nachdenken und Handeln motivieren sollte, weil die Sachverhalte in Gesellschaft, Kirche und Umwelt zu komplex sind, um sie mit  einfachen Antworten lösen zu können.

Einen erholsamen und gesegneten Sonntag wünsche ich Ihnen!

Ludger Vornholz, Eslohe, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe