Wort zum Sonntag

Wort Gottes nicht verstummen lassen

Pfarrer Michael Schmitt

25. Oktober 2020: Er wurde schon vermisst! Ab Sonntagmittag erscheint er im neuen Glanz: der Posaunenengel auf dem Dachreiter, dem kleinen, neu verschieferten Turm von St. Walburga. Frisch vergoldet schwebt er dann wieder über den Dächern der Mescheder Innenstadt. Im Zuge der Neuerrichtung des barocken Turmhelms sowie des Dachreiters von St. Walburga im Jahr 1954 schuf der Mescheder Schlossermeister Fritz Kersting den Posaunenengel als Wetterfahne. Mittlerweile war er in die Jahre gekommen, so eingerostet, dass selbst der stärkste Windstoß ihn nicht mehr in Bewegung setzen konnte.

Wetterfahnen dienten in früheren Zeiten nicht nur der kurzfristigen Wettervorhersage, sondern waren auch als Haus- und Schutzzeichen bedeutsam. Das Motiv des Hahns, der viele, vor allem die katholischen Kirchtürme ziert, verweist auf die Worte Jesu an Petrus: „Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen“ (Mt 26,34.75). Wie wir wissen, gingen diese Worte des Herrn bei Petrus nach der Verhaftung Jesu in Erfüllung. Als der Hahn gegen Morgen krähte, erinnerte er sich an diese Prophezeiung, bereute und verkündete anschließend bis zu seinem Märtyrertod den neuen Glauben in großer Treue und Liebe zum Herrn. Der Hahn ist also eine Mahnung, sich nicht nach dem Winde zu drehen, sondern wie Petrus in seinem weiteren Leben dem christlichen Glauben treu zu bleiben.

Neben dieser Bedeutung wurde der Hahn auch als Christussymbol verwendet. Der erste Beleg für diese Verwendung ist das Tageszeitenbuch Liber Cathemerinon des spätantiken christlichen Dichters Prudentius. So wie der Hahn mit seinem Ruf das Ende der Nacht und den Beginn des Tages verkündet und die Menschen aufweckt, so besiegte Christus nach diesen Interpretationen die Nacht der Sünde und des Todes und erweckt den Menschen zum christlichen Glauben und zum ewigen Leben: Gedanken, die uns in diesen Monaten der Pandemie und besonders in den kommenden Novemberwochen des Totengedenkens an die österliche Verheißung erinnern können!

Wenn wir in Zukunft auf der St.-Walburga-Kirche neben dem Wetterhahn auch den Posaunenengel nun wieder erblicken, können beide uns daran erinnern,

* in den Stürmen der Zeit Christus treu zu bleiben,

* aus der Kraft der österlichen Auferstehung unser Leben zu gestalten

* und das Lob Gottes im Heiligtum der St.-Walburga-Pfarrkirche und den anderen Gotteshäusern nicht verstummen zu lassen.

 

Wie heißt es im „Großen Halleluja“ des 150. Psalms:

Halleluja!

Lobt Gott in seinem Heiligtum, lobt ihn in seiner mächtigen Feste!

Lobt ihn wegen seiner machtvollen Taten,

lobt ihn nach der Fülle seiner Größe!

Lobt ihn mit dem Schall der Posaune, lobt ihn mit Harfe und Leier!

Lobt ihn mit Trommel und Reigentanz, lobt ihn mit Saiten und Flöte!

Lobt ihn mit tönenden Zimbeln, lobt ihn mit schallenden Zimbeln!

Alles, was atmet, lobe den HERRN. Halleluja!

 

Im Gebet verbunden,
Ihr Michael Schmitt, Meschede, Pfarrer im Pastoralverbund Meschede-Bestwig