Wort zum Sonntag

Das kann nicht “Gottes” sein

Dechant Georg Schröder

13. September 2020: Die Corona-Pandemie treibt viele Menschen auf die Straßen, um für oder gegen die Regeln zu demonstrieren, Regeln, die dem Schutz der Menschen vor dieser Ansteckung dienen sollen. Leider entstehen dabei Situationen, die unser Zusammenleben zerstören könnten – z. B. wenn mit der Reichskriegsflagge, die auch noch den Schriftzug „Gott mit uns“ trägt, vor dem Reichstagsgebäude in Berlin, unserem Bundestag, demonstriert und auch die Treppe des Gebäudes gestürmt wird (siehe WP am 1.9.2020).

„Gott“ wird hier gebraucht für einen Zweck, der Menschen gegeneinander aufbringt. Das kann nicht „Gottes“ sein.

Unser Zusammenleben in dieser Dauer-Krise der Pandemie wird immer wieder auf die Probe gestellt mit der Frage: Was dient nun dem Schutz der Menschen? Was beeinträchtigt das soziale Zusammenleben und wie kann gegen eine Beeinträchtigung verantwortungsvoll etwas getan werden, ohne die Gesundheit zu stark zu gefährden? Was lassen wir, was tun wir?

Wenn ich verstörende Bilder sehe, wie das von rechtsradikalen Protesten, wenn ich erfahre, dass Menschen sich bekriegen und nicht mehr miteinander reden können, dann hilft mir das Gebet um GOTTES GEIST, um heiligen Geist, um erkennenden Geist in uns Menschen. Mit dem uralten Gebet – die sog. „Sequenz zum Pfingstfest“ –  komme ich zur Ruhe und kann meine Gefühle und Gedanken sortieren  –  so sortieren, dass ich Abstand gewinne von radikalen Meinungen und mutig werde, das für uns Menschen Gerechte zu tun. Vielleicht ist es auch für Sie ein Gebet in der Krise:

„Komm herab, o Heil‘ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut
köstlich Labsal in der Not,
in der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.“

Georg Schröder, Dechant im Dekanat Hochsauerland-Mitte