Wort zum Sonntag

Gott in unserem Leben begrüßen

Vikar Jakob Jan Küchler

12. Juli 2020: Der Text, den Sie jetzt lesen, ist von mir viel zu spät losgeschickt worden. Es gibt Dinge, die erledigt man fast immer kurz vor knapp oder zu spät. Ob es zu spät ist, fragten sich auch viele besorgte Jugendliche mit Blick in die Zukunft, gerade wegen der Natur, in der wir Christen uns als Schöpfung bewegen.

Wie sehr wir ihr trotz aller Technik ausgeliefert sind, kann man sehen, wenn ein Virus den Alltag lahmlegt oder die Trockenheit den Landwirten Sorge bereitet. Da tut der Regen Not, den wir derzeit erleben.

Regen und Trockenheit sind aber auch immer wieder Bilder für Gott oder sein Wort und den Menschen. Bei Jesaja z.B. werden Regen und Schnee, die vom Himmel fallen und die Erde fruchtbar machen, verglichen mit Gottes Wort. Denn auch Gottes Wort kommt nicht zu ihm zurück, ohne das zu bewirken, was es will. Vielleicht ist diese dramatisch entschleunigte Zeit eine Gelegenheit, neben dem Naturschutz auch etwas über „Seelenschutz“ nachzudenken. Die Seele mit dem Wort Gottes zu erweichen und ihn Früchte tragen zu lassen. Gott in seiner ganzen Größe zu sehen und zu staunen, der mich manchmal überfordert wie Platzregen und manchmal ganz langsam erweicht wie Morgentau.

Die damit verbundene Hoffnung führt mich zurück zum Anfang. Wenn auch manches spät oder knapp ist: Gottes Wort in meinem Leben zu begrüßen, dafür ist es nie zu spät. Vielleicht brauche ich nur manchmal Geduld, wie die geduldige Redaktion.

Jakob Jan Küchler, Meschede, Vikar im Pastoralverbund Meschede-Bestwig