Wort zum Sonntag

Ruhe für die Seele finden …

Pastor Ullrich Birkner

5. Juli 2020: In der Küche meiner Oma hing direkt über dem Herd folgender Spruch: „Alles aufbewahren und nie etwas wegwerfen – das ist irgendwann nicht mehr zu ertragen.“ Jeder, der schon einmal umgezogen ist, bekam dabei bestimmt mehr als eine Sache in die Hand, bei der man zu sich gesagt hat: „Du meine Güte, was hat man für ‘n Zeug aufgehoben.“ Und in dem Moment wird klar, dass der Satz über dem Herd meiner Oma richtig ist und es unmöglich ist, immer alles aufzuheben. Zwar heißt es oft: Wer weiß, wozu man es noch brauchen kann? Doch in den allermeisten Fällen weiß es niemand.

Das Wegwerfen von Dingen ist vielfach nicht leicht. Noch schwieriger ist es, Gedanken endgültig auf die Müllkippe der Erinnerungen zu werfen, seien sie auch noch so belastend. Dies alles aufzubewahren, ist dann wirklich irgendwann nicht mehr zu ertragen. In der katholischen Kirche wird in den Messen dieses Sonntags vorgelesen: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ (Mt 11, 28) Jesus Christus ist der Ort, wo wir „abladen“ dürfen; unsere quälenden Gedanken loswerden können. Voraussetzung ist natürlich, dass man seinen Gedankenwust auch tatsächlich entsorgen will. Bewusst oder auch unbewusst tragen viele ihr Leid wie Kronen und fühlten sich bedeutungslos und von den Menschen übersehen, wenn sie ihre Probleme nicht pflegen würden. Oder sie haben nicht gelernt, auch mal entspannt zu sein. Sie handeln nach dem Motto: Wenn ich nichts zu tun habe, dann mache ich mir einfach ein paar Sorgen.

Im Evangelium heißt es weiter: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.“ Was für eine Zusage! Ruhe für die Seele! Wer will das nicht? Körperliche Anstrengung ist in einem gewissen Maß gesund. Die Seele kann zwar auch manches verkraften, doch hat auch sie ihre Grenzen. „Alles aufbewahren und nie etwas wegwerfen – das ist irgendwann nicht mehr zu ertragen.“ Bringen wir es zu Jesus, von dem wir im „Austausch“ ein sanftes Joch und eine leichte Last bekommen (vgl. Mt 11,30). Ruhe für Ihre Seele an diesem Sonntag – bei allem, was Sie auch sonst alles tun mögen – wünscht Ihnen

Ullrich Birkner, Bad Fredeburg, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg- Eslohe