Wort zum Sonntag

Aufmunternde und auflockernde Begegnungen und Gespräche!

Dechant Georg Schröder

31. Mai 2020: Von „Lockerungen“ ist viel die Rede während der abklingenden Corona-Pandemie. Grenzsperren und Kontaktverbote werden gelockert. Man darf wieder überall einkaufen. Fußball wird gespielt. Gottesdienste sind wieder öffentlich. Schulen und Kindergärten öffnen nach und nach ihre Türen. Dies alles ist ein Ergebnis der gelockerten Bedingungen. Viele Einschränkungen bleiben und sind nötig, um einen neuen Ausbruch des Virus zu verhindern. Dankbar sind wir aber für jede Lockerung, die das Zusammenleben erleichtert und Versammlungen wieder möglich macht. Vielfältige mitmenschliche Nähe ist wieder da mit gebotenem Abstand.

Die christliche Kultur feiert Pfingsten 50 Tage nach Ostern. Dieses Fest greift eine Erzählung aus der Apostelgeschichte auf (2,1-11). Nach dem Todesdrama der Verurteilung und Kreuzigung Jesu wird der Apostelkreis ermutigt, nach draußen zu gehen und von Jesus zu erzählen. Aus der Enge der eingeschlossenen betenden Versammlung wird eine Weite des überall verkündeten Glaubens. Die Apostel, die junge Gemeinde wird „locker“. Da ist keine Angst vor der Andersheit der Anderen. Man versucht, auf den Anderen zuzugehen und ihn überzeugend, aber nicht vereinnahmend anzusprechen mit der Botschaft vom Leben, das stärker ist als der Tod, mit der Botschaft von der Liebe, die den Mitmenschen liebt wie sich selbst, mit der Botschaft vom gerechten Teilen der Güter, das Frieden mit sich bringen wird.

Die Apostelgeschichte erzählt weiter, dass die frühe Christengemeinde sich loslöst von Bestimmungen des Judentums, aus dem es hervorgegangen ist, um sogenannte „Heiden“ überhaupt für Jesus und seine Botschaft erfolgreich ansprechen zu können. Nach einer klärenden Auseinandersetzung macht der Apostelkreis sich locker von Regeln, die für die Verkündigung der Frohen Botschaft nicht nötig sind. Und diese Lockerung war sehr erfolgreich.

Wird es ein neues Pfingsten für unsere katholische Kirche geben, indem sie Regeln überprüft und lockert, wenn diese Regeln heute nicht mehr der Botschaft Jesu entsprechen? Dann könnte ich mutiger als bisher, sozusagen „lockerer“ auf Andere zugehen und sie mit der Botschaft Jesu ansprechen. Der Abstand bei einem Gespräch, mitgegeben durch unverrückbare kirchliche Positionen, könnte geringer werden durch ein neues Pfingsten.

Dass wir uns bald wieder in unserer Gesellschaft und Kirche mit weniger vorgeschriebenem Abstand begegnen können, wäre ein pfingstlicher Erfolg – Erfolg guter Forschung für einen Impfstoff, Erfolg guter Abwägung, welche Regeln wir für ein christliches Leben brauchen.

Pfingsten schenke uns aufmunternde, ja auflockernde Begegnungen und Gespräche!

Georg Schröder, Dechant im Dekanat Hochsauerland-Mitte