Wort zum Sonntag

Mutig, aber auch geduldig sein!

Bernadette Klens

Gemäß den Strukturen in unserer Kirche schauen wir immer wieder auf die Männer „an der Spitze“ der Weltkirche, der Deutschen Kirche, unserer Bistümer, von Ordensgemeinschaften oder Gemeinden. Ob gewählt oder von Bischöfen ernannt geben sie das Versprechen ab, sich in ihrer jeweiligen Rolle ganz in den Dienst des Evangeliums und der Nachfolge Jesus Christi zu stellen.

In der vergangenen Woche wurde der Nachfolger von Erzbischof Reinhard Marx gewählt: Georg Bätzing, seit 2016 Bischof von Limburg, ist der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz unseres Landes. Auf ihn richten sich nun viele Blicke. Unter einem hohen Erwartungsdruck soll er die Aufarbeitung der Ergebnisse der Missbrauchsstudie vorantreiben sowie den synodalen Prozess fortsetzen und damit für das Gelingen der Zusammenarbeit mit dem obersten Laiengremium, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken, sorgen. Zudem ist er 2021 Gastgeber des ökumenischen Kirchentages, der ebenfalls mit vielen Wünschen von der Basis behaftet ist, was z. B. die eucharistische Gastfreundschaft betrifft.

Wird es ihm gelingen, mutige Schritte für eine zukünftige Kirche zu entwickeln? Hat er genügend Überzeugungskraft, um im Vatikan Stellung zu beziehen? Hat er die Fähigkeit, die Bischöfe zu einen? Kann er vor allem das Vertrauen der Kirchenbasis zurückgewinnen? (Auf der Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schallt einem selbst von den „Treuesten“ mittlerweile entgegen: “Es ändert sich ja doch nichts…“)

Auf jede Frage würde ich zu allererst antworten: Ihm „allein“ wird all das nicht gelingen. Es wird darauf ankommen, auf allen Ebenen Frauen und Männer einzubeziehen, die mit ihren Lebens- und Glaubenserfahrungen der Kirche ein buntes Gesicht geben. Es wird darauf ankommen, gemeinsam dem Geist Gottes zu vertrauen, der nicht einengt, nicht ängstigt, sondern frei macht und Hoffnung und Zuversicht schenkt. Es wird darauf ankommen, in aller Klarheit und Offenheit endlich Entscheidungen zu fällen, die aus Verkrustung und Lähmung führen.

Und in unseren Gemeinden – wird es darauf ankommen, dass sich Frauen und Männer vernetzen, die trotz aller Anforderungen in Familie, Beruf und Gesellschaft, nicht aufgeben, die Botschaft des Evangeliums ins Heute zu übersetzen. Sicher wird es im Veränderungsprozess noch lange Durstrecken geben, aber ich glaube auch, dass Christinnen und Christen ganz viel Anziehungskraft entwickeln, wenn spürbar und erfahrbar wird, wessen Liebe und Güte durch sie hindurchscheint.

Einen gesegneten 2. Fastensonntag und uns allen viel Geduld wünscht

Bernadette Klens, Eslohe, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe